Sail 2018 – ein besonderes Erlebnis

„Ohne Handy is viel cooler!“ – Jubiläums-Törn auf der Thor Heyerdahl

Und so eine Aussage von Jugendlichen!? – Kann man das glauben!? – Doch! So geschehen auf unserer Jubiläumsreise 25 Jahre „Sail Thor Heyerdahl“ von Frederikshavn, Norddänemark, nach Kiel.

Wie das geht? – Wir fahren das Schiff selber und zwar von Anfang an: Aufklaren des Schiffes nach Einteilung in die Kammern und Wachen, dann laufen wir aus.

Gleich in der ersten Nacht gehen die Wachen schon ihre Runden, peilen, sorgen für die Sicherheit des Schiffes. Das Schiff muss 24 Stunden am Tag betreut sein, das gehört einfach dazu.

Am nächsten Morgen Manövertraining unter Segel: Die Mannschaft muss schnell fit werden; wir sind schließlich im Kattegat auf Hoher See. Auch die kommenden zwei Nächte werden wir durchsegeln. Schnell stellt sich die Bordroutine ein: Wachen, Schlafen, Wachwechsel, All-Hands-Manöver; Kommandos und völlig neue Wörter – das sogenannte Bordchinesisch – schwirren durch die Luft – schon sind uns allen die Seemannsbeine gewachsen.

Am dritten Tag erreichen wir eine Naturschutzinsel, vor der wir vor Anker gehen. Robben kommen neugierig herangeschwommen, bleiben aber doch erst mal auf gebührendem Abstand. Wir beschließen, in kleinen Gruppen überzusetzen und die Insel zu erkunden. Zuvor aber braucht’s noch etwas anderes: Baden gehen. Vom Schiff aus in die grünblauen Fluten zu springen, das klare Wasser genießen und einfach Spaß haben – Seezirkus!

Gegen Abend dann fahren wir rüber; die Insel hat etwas Mystisches, eigenartig, wir fühlen uns aber nicht als Eroberer, wir sind Gäste, Besucher, wie in einer fremden Welt: die Insel ist still und sie macht uns still. Und so lassen wir sie auch wieder zurück. Am Abend sitzen etliche in der Messe zusammen und spielen – Werwolf – das neue Gemeinschaftsspiel – von jetzt an jeden Abend in der Messe; und wir reden viel mehr miteinander – ein tolles Gemeinschaftsgefühl stellt sich ein, das gemeinsam Erlebte schweißt uns zusammen.

War da noch was? – Handy – Smartphone, daddeln? – Auf dem Schiff ist Handyverbot! – Abgesehen davon, dass auf der See sowieso kein Netz ist. Wozu also überhaupt? – und auf einmal kommt die Erkenntnis: Das ist eigentlich viel cooler!

Was wir hier in der realen Welt erleben und die Gemeinschaft, das geht viel tiefer. Die Handys bleiben auch aus, als wir dann wieder in Landnähe sind und auch auf unserer Expedition: Aufregung schon am Morgen, Planen, Packen, eigene Seekarte colorieren. Das Gepäck, die Tonnen, Wasserkanister, Seesäcke staut sich an Deck; vier große Expeditionsschlauchboote werden zu Wasser gelassen, beladen, Wir stechen in See – die Boote randvoll mit Gepäck und Leuten, stieben in alle Richtungen, jede Expeditionsmannschaft hat ihren eigenen Plan, wie sie die Strecke bewältigen wollen – erst mal drauflospaddeln und Strecke machen oder erst mal an Land und Lager aufbauen, eine eigene Besegelung bauen.

Zwei Tage und zwei Nächte mit dem nötigen Proviant, Wasser und Ausrüstung, um in der Wasserwildnis zu überleben – Abenteuer pur! – Entsprechend sind dann bei der Rückkunft an Bord die Schilderungen. Natürlich gehört zu einer richtigen Seefahrt auch Schwerwetter. Das kam dann auch, aber uns Seebärinnen und Seebären konnte es nichts mehr anhaben. Schließlich unsere letzte Etappe und der letzte Hafen vor Ende der Reise: Marstal – wie immer. Mit Grillabend und Musik an der Pier. Am nächsten Morgen dann wurde es ernst: Schiffsübergabe! Die Teilnehmer wählen ihren eigenen Kapitän, Steuermann und Mannschaft und fahren das Schiff selber nach Hause – nach Kiel. Das Ende der Reise: Die Einfahrt zum Liegeplatz, Übergabe der Seemeilenbestätigungen, der Thor Heyerdahl-Urschrei, letzte Bilder, Abschiedsszenen, Einstieg in den Bus, Abfahrt und der letzte Blick zurück. Nächstes Jahr ganz bestimmt wieder!